Von Schnitten und Schwester - Die Sicht einer Angehörigen
Sonntag, 12. Juli 2015
Meine Schwester und ich I
Anfangs war das Verhältnis zwischen meiner Schwester und mir sehr angespannt. Ich war sauer auf sie! Sie hatte sowohl meinen Eltern als auch mir eine wahrscheinlich sehr schöne Woche vermiest.

Inzwischen hat sich unser Verhältnis stark gebessert. Ich habe es akzeptiert, dass sie sich ritzt. Häufig schaffe ich es, wenn es ihr schlecht geht, sie mich in ihr Zimmer zu lassen. Ich sage dann nicht viel. Meist sitze ich einfach neben ihr. Anfassen darf ich sie nicht. Nicht in den Arm nehmen, nicht die Hand auf ihre legen, gar nichts. Irgendwann fängt meine Schwester an zu reden. Erzählt was sie bedrückt. Dann reden wir kurz und schauen meist ein Video zur Ablenkung.
Seit neustem darf ich sie verarzten, wenn ich mitbekomme dass sie sich geritzt hat.
Ich habe mit einem Rettungsfahrer mal gesprochen, wie man das am besten verarztet. Er empfahl einen simplen Druckverband.

Meine Mutter versucht über mich Informationen über den Zustand meiner Schwester zu kriegen. Ich weiß nie was ich sagen soll. Meist beruhige ich sie nur.
Außerdem glaube ich das Vertrauen meiner Schwester zu missbrauchen, sollte ich meiner Mutter alles erzählen.

Die Angst, dass etwas passiert, ist geblieben. Anfangs habe ich mich kaum getraut meiner Schwester zu widersprechen. Die Notfalltherapeutin meinte, man solle keinem Streit aus dem Weg gehen, jedoch auch keinen provozieren. Das ist sehr schwer in meinen Augen.
Meine Schwester meinte, ich sei nicht schuld. Es seien Schwankungen, die sehr plötzlich auftreten. Ich kann nie einschätzen, wie weit ich gehen kann, wenn wir uns streiten.

Einmal habe ich mit meiner Schwester über Ziele geredet. Ich mache auch immer wieder schwere Sachen durch und mir hat es geholfen mir kleine Ziele zu setzten, auf die ich mich freuen kann. Bis dahin muss ich durchhalten. Meine Schwester meinte, sie hätte so etwas nicht. Ich versuchte ihr zu helfen eines zu finden. Da haben wir uns darauf geeinigt, einmal ein Wochenende weg zu fahren, ohne Eltern. Das hat sie gefreut! Sie meinte, das sei ein tolles Ziel.

Viel kann ich nicht tun. Meist ist es nur rumsitzen oder ein Verband anlegen, aber wenn meine Schwester sich bedankt, freue ich mich, dass ich wenigstens ein bisschen helfen kann.
Mein Tipp ist kleine Ziele setzen und bis dahin durchzuhalten. Und dann das nächste Ziel!

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Letzte Aktualisierung: 2015.07.12, 23:29
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